Familienglück bei den Kleinen Ameisenbären

19.12.2019

In diesem Jahr ist es schon der zweite Zuchterfolg. Nun stand der erste Gesundheitscheck an

Lange Schnauze, kleine Kulleraugen und gerade einmal 640 Gramm schwer. Erst im März dieses Jahres sorgte Tamandua-Weibchen Persea für Zuwachs in der Tropenhalle Rio Negro. Dass es nun erneut geklappt hat, freut das Zoo-Team ungemein, denn die regelmäßige Nachzucht der Kleinen Ameisenbären, wie Tamanduas auch genannt werden, ist in Zoos immer noch nicht alltäglich. Nun bekam der Nachwuchs Besuch von Zootierärztin Dr. Kerstin Ternes.

Mit viel Routine kümmert sich Tamandua-Weibchen Persea um ihren jüngsten Spross, beschnüffelt das kleine Fellknäuel und trägt es auf dem Rücken durchs Gehege. Für gewöhnlich streift die 6-jährige mit ihrem Partner Tiago und dem im April dieses Jahres geborenem Jungtier durch die Baumwipfel der Tropenhalle Rio Negro. Über 1.000 m² stehen den dämmerungsaktiven Langschnauzen zur Verfügung. „Für die Tiere haben wir hier den idealen Lebensraum“, freut sich Tierpfleger René Ostendorf. Für gewöhnlich sehen er und seine Tierpfleger-Kollegen die Ameisenbären aber nur von unten, denn tagsüber schlafen sie zusammengerollt in luftiger Höhe. Nur mit Leitern kann man ihnen näher kommen.

Stellt sich Nachwuchs ein, zieht Persea daher in einen gesonderten Bereich des Tropenhauses. „So können wir die Entwicklung des Jungtieres besser verfolgen“, erklärt Ostendorf. Gemeinsam mit Zootierärztin Dr. Kerstin Ternes bereitet der Tierpfleger heute den ersten Gesundheitscheck für das Jungtier vor. Wiegen, Messen und Geschlecht bestimmen steht auf dem Programm.

Routiniert und mit viel Feingefühl setzt René Ostendorf den vier Wochen alten Tamandua auf die bereitgestellte Waage. Etwas verschlafen schaut das 640 Gramm schwere Weibchen in der Gegend herum.

Zootierärztin Dr. Kerstin Ternes kontrolliert noch schnell die Ohren und tastet den Bauchraum ab. „Alles wunderbar, die Kleine ist fit“, lautet das Ergebnis.
Bevor es zurück ins Gehege geht, bekommt das Jungtier noch seinen Personalausweis. „Mit einer Kanüle setzen wir einen reiskorngroßen Chip unter die Haut. Auf diesem befindet sich eine einmalige Nummer, die das Jungtier ein Leben lang begleiten wird und mit einem Lesegerät abgelesen werden kann“, erklärt Zootierärztin Dr. Kerstin Ternes. Mutter Persea nimmt von der Aktion nichts wahr – sie schlabbert mit lautem Schmatzen eine Avocadohälfte aus. Ihr Lieblingsfutter, wie Ostendorf erzählt.

Mit dem langgestreckten, schmalen Kopf, dem muskulösen Wickelschwanz und den kräftigen Krallen ist der Tamandua perfekt für das Leben auf Bäumen angepasst. Ständig auf der Suche nach Baumtermiten und -ameisen durchforsten die Tiere die Baumkronen aber auch das Unterholz. Haben sie Beute gefunden, brechen die kleinen Kraftpakete die Behausungen ihrer Nahrung mit ihren langen Krallen auf. Anschließend werden Ameisen und Termiten mit der bis zu 40 cm langen Zunge aufgeschleckt.