
Seit der deutschen Erstgeburt eines Großen Tümmlers im Zoo Duisburg im Jahr 1978 konnten regelmäßig Zuchterfolge im Duisburger Delfinarium vermerkt werden. Im Jahr 2007 konnten sogar zwei Jungdelfine gleichzeitig aufgezogen werden, eines davon bereits in zweiter Generation, d.h. auch das Muttertier ist bereits im Delfinarium zur Welt gekommen.
In den USA, wo die Delfinhaltung früher begann, als in Europa, gibt es bereits Zuchterfolge in dritter Generation. Trotz der jungen Geschichte der Delfinhaltung gegenüber der Haltung anderer klassischer Zootiere, die z.T. bereits seit mehr als 150 Jahre gehalten und gezüchtet werden, weist die Delfinhaltung bereits beachtliche Erfolge auf. Während um das Jahr 2000 etwa 40% der Delfine in den Delfinarien der Welt aus der eigenen Nachzucht stammten, sind dieses heutzutage bereits über 60%.
Gleichwohl stellt die Jungtieraufzucht von Delfinen auch heute noch ein Problem dar, da neugeborene Delfine – nahezu einzigartig in der Welt der Säugetiere – über kein intaktes Immunsystem verfügen, dass sich erst über Wochen
und Monate entwickeln muss. In dieser Zeit der Immunschwäche sind die Jungdelfine extrem anfällig gegenüber jeglichen Krankheiten. Daher ist im Zoo eine strikte Quarantäne vonnöten, um die Neugeborenen vor unerwünschten Krankheitserregern zu schützen. Trotz aller Fürsorge überleben nicht alle Neugeborenen. Ähnlich ist die Situation im Freiland, wo ebenfalls eine scheinbar hohe Jungtiersterblichkeit gegeben ist. Es ist denkbar, dass diese Jungtiersterblichkeit ein regulierender Faktor der Natur ist, um die Delfinpopulationen nicht all zu sehr anwachsen zu lassen, denn erwachsene Delfine haben kaum Feinde oder Gefahren und werden zumeist sehr alt.Die Beobachtung von Geburt und Aufzucht bei wildlebenden Delfinen ist sehr schwierig, so dass der überwiegende Teil unseres heutigen Wissens über die Fortpflanzung der Delfine aus der Erfahrung und den wissenschaftlichen Arbeiten in Delfinarien stammt, wo die Tiere rund um die Uhr beobachtet werden können.
Große Tümmler bringen nach einer Tragzeit von ca. 1 Jahr gewöhnlich ein Jungtier zur Welt. Zumeist separiert sich ein trächtiges Weibchen vor der Geburt von ihrer Gruppe und bringt abseits davon ihr Jungtier zu Welt. Ähnlich wird es im RWE-Delfinarium gehandhabt, wo die werdende Mutter im Aufzuchtbereich des Altdelfinariums abgetrennt wird. Ein Kontakt zu den übrigen Delfinen bleibt über einen Sichtschieber bestehen.
Abseits von den Blicken der Zoobesucher und abgeschottet von möglichen Krankheitserregern bringt das Weibchen sein Jungtier im Aufzuchtbereich zur Welt. Vor, während und nach der Geburt findet eine 24-Stunden Beobachtung durch die Tierpflegerschaft statt, um sicher zu stellen, dass Geburt und anschließendes Säugen des Jungtieres wunschgemäß verläuft. Hierfür steht den Pflegern ein Beobachtungsraum mit zahlreichen Monitoren zur Verfügung, die Über- und Unterwasseraufnahmen aus dem Aufzuchtbecken liefern, das in allen Winkeln über verschiedene Kameras abgedeckt ist.
Die Geburt
Die Geburt eines Großen Tümmlers dauert 1-2 Stunden. Zumeist wird ein Jungtier geboren. Die Geburt findet unter Wasser statt. Das Jungtier schwimmt sofort nach der Geburt an die Oberfläche, um zu atmen. Bei der Geburt sind Jungtiere 90-110 cm lang und wiegen 10-20 kg.
Die Aufzucht
Die Milch der Delfine ist sehr fettreich. Die Jungtiere trinken die Milch beim Schwimmen unter Wasser. Über die Milch nehmen die Jungdelfine die nötigen Abwehrstoffe auf, um ihr Immunsystem zu entwickeln. Ab dem dritten Lebensmonat beginnen die Jungtiere Fisch zu fressen. Die Jungtiere bleiben über ein Jahr lang von der Muttermilch abhängig. Während der Säugezeit kann die Delfinmutter kein weiteres Jungtier bekommen Die Aufzucht der Jungtiere dauert bis zu 3 Jahre.
Die Geschlechtsreife
Delfinweibchen (so genannte Kühe) sind meist ab dem 8. Lebensjahr geschlechtsreif. Die Delfinmännchen, die auch Bullen genannt werden, werden erst später geschlechtsreif, mit etwa 13 Jahren bei einer Körperlänge von ca. 2,45 m.
Die Paarung
Die Paarung der Delfine erfolgt unter Wasser, Bauch an Bauch. Paarungen finden über das ganze Jahr verteilt statt, jedoch sind Delfinweibchen nur 6-12 Wochen pro Jahr empfängnisbereit. Paarungen außerhalb der Paarungszeit dienen der Festlegung der sozialen Rangordnung in der Delfingruppe.
Die Tragezeit
Die Tragezeit der Großen Tümmler dauert ca. 1 Jahr. In den ersten vier Monaten der Tragzeit werden die Organe und Körperstrukturen des Jungdelfines angelegt. Vom vierten bis achten Monat der Trächtigkeit werden die Organe ausdifferenziert. Insbesondere nach dem achten Monat findet ein erhebliches Größenwachstum statt. In Delfinarien lässt sich die Entwicklung des Jungtieres im Mutterleib durch Ultraschalluntersuchungen gut verfolgen. Die Muttertiere nehmen freiwillig an dieser Untersuchung teil.














