Java-Binturongs sind eingezogen

06.06.2020

Ein Gesicht wie eine Katze, ein Schwanz wie ein Affe und ein Körper wie ein kleiner Bär. Seit einigen Tagen kann man im Raubtierhaus des Zoo Duisburg zwei neue, skurril aussehende Bewohner beobachten. Aus dem englischen Zoo Hamerton reisten die beiden Java-Binturongs an den Kaiserberg. Diese Unterart des Binturongs wird derzeit deutschlandweit nur in Duisburg gehalten.

Meist verschlafen die überwiegend dämmerungs- und nachtaktiven Tiere den Tag. Dabei decken sie ihr Gesicht häufig mit dem buschigen Schwanz zu. In den frühen Morgen- und Abendstunden werden sie dann munter. Die auf den ersten Blick tollpatschig wirkenden Java-Binturongs sind überaus gute Kletterer. Mit den scharfen Krallen und dem für Säugetiere seltenen Greifschwanz sind sie gut an ein Leben in Bäumen angepasst. Hier finden sie auch ihre Nahrung. Vögel, kleine Säugetiere und Aas stehen auf dem Speiseplan der bis zu 20 kg schweren Schleichkatzen. Ihre Hauptnahrung besteht allerdings aus reifem Obst, besonders Feigen werden gerne gefressen.

Als Obstfresser nehmen die Tiere automatisch auch die Samen ihrer Nahrung mit auf und verteilen diese über den ausgeschiedenen Kot im Regenwald. Besonders die Würgefeige ist auf den Binturong als Samenverbreiter angewiesen. Spezielle Verdauungsenzyme im Magen-Darm-Trakt der Tiere können die harte Schale der Würgefeigen-Samen aufweichen und fördern das Auskeimen der Jungpflanze. Diese besondere Beziehung macht den Binturong zu einer Schlüsseltierart im  Ökosystem Regenwald.

Neben ihrer Rolle als Samenverbreiter der Würgefeige gibt es noch weitere, zum Teil skurrile Eigenschaften, die Binturongs nachgesagt werden. Mit Drüsen unter ihrem Schwanz markieren die Tiere ihr Revier. Ein spezieller Geruch, der für einige Menschen nach gebuttertem Popcorn riechen soll. Auch in Sachen Kommunikation sind Binturongs besonders. Fröhliche Tiere machen kichernde Geräusche. Bei schlechter Laune erzeugen sie ein hohes Jammern oder heftiges Knurren. Paarungsbereite Binturongweibchen erzeugen wiederrum einen schnurrenden Laut. Streifen sie durch ihren Lebensraum, so kann man in einigen Abständen ein leises Zischen oder tiefes Grunzen hören.

Da Binturongs teilweise für den Heimtierhandel gefangen werden, ihr Fleisch als Delikatesse angeboten wird und Bestandteile ihres Körpers in der traditionellen chinesischen Medizin Verwendung finden, gilt die Tierart als „gefährdet“. Wie viele andere Bewohner tropischer Regenwälder, leidet auch der Binturong unter dem stetigen Verlust seines ursprünglichen Lebensraumes.