Die Fossa (Cryptoprocta ferox) ist das größte Raubtier auf der Insel Madagaskar, mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 60-75 cm und einer Schwanzlänge von 55-70 cm. Erwachsene Männchen können ein Gewicht von mehr als 14 kg erreichen, wohingegen die bedeutend kleineren Weibchen selten bis 10 kg wiegen. Der Körper der Fossa ist lang gestreckt und schlank. Das Fell ist kurz und rötlich-braun gefärbt. Als ausgesprochene Einzelgänger bewohnen die klettergewandten Fossas die verbliebenen Waldregionen Madagaskars. Die Nahrung der Fossas besteht vornehmlich aus Vögeln und kleinen bis mittelgroßen Säugetieren, einschließlich Lemuren.
Systematisch bildet die Fossa eine Zwischenstufe zwischen den eigentlichen Katzen und den Schleichkatzen. Die Fossa weist eine Anzahl von morphologischen Eigenheiten auf, die sowohl für die Katzen als auch für die Schleichkatzen als typisch zu bewerten sind. Das äußere Erscheinungsbild der Tiere, das Gebiß und die rückziehbaren Krallen entsprechen den Eigenschaften der Katzen, wohingegen das Skelett, das Gehirn, die Füße und die Analdrüsen an die Schleichkatzen erinnern. Ursprünglich in der Familie der Katzen aufgeführt, werden Fossas heute in der separaten Unterfamilie Cryptoproctinae der Familie der Viverriden eingeordnet.
Die Fossa ist auf ganz Madagaskar weit verbreitet, nirgendwo jedoch in großer Bestandsdichte anzutreffen. Fossas fehlen in den zahlreichen abgeholzten Regionen Madagaskars, vornehmlich in den landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten des zentralen Hochlandes. Größere Populationen findet man noch in den verbliebenen Wäldern im Westen und Osten Madagaskars. Die Gesamtpopulation der Fossa jedoch ist stark rückläufig, obschon keine exakten Bestandszahlen bekannt sind. Die Fossa wird in der Roten Liste für Säugetiere der IUCN als "bedroht" eingestuft und im Washingtoner Artenschutzübereinkommen in Anhang 2 geführt.
Der Hauptgrund für den Rückgang der Fossas ist in der anhaltenden Zerstörung des natürlichen Lebensraumes zu sehen. Waldgebiete werden großflächig abgeholzt, um Land für Rinderhaltung und für landwirtschaftliche Ertragsflächen zu gewinnen, und um das wertvolle Holz der Bäume wirtschaftlich zu nutzen. Die Fossas verlieren somit ihren bevorzugten waldreichen Lebensraum. Bereits heute sind mehr als 80% der ursprünglichen Wälder Madagaskars abgeholzt. Viele der verbliebenen Wälder sind in geschützte Nationalparks oder Naturreservate eingegliedert, die den Fossas und anderen bedrohten Wildtieren den nötigen Schutz gewähren sollen. In einem Land so arm wie Madagaskar ist der Druck der Menschen jedoch sehr groß, auch die letzten intakten Refugien der Natur zu nutzen.
Neben der Zerstörung des natürlichen Lebensraumes gilt die Bejagung der Fossas als ein Grund für den anhaltenden Bestandsrückgang dieser Tierart. Fossas gelten bei den Madegassen als Räuber von domestizierten Tieren, vornehmlich von Hühnern und jungen Schweinen, und werden demzufolge von den Menschen intensiv bejagt.
In menschlicher Obhut werden Fossas seit Anfang dieses Jahrhunderts in sehr geringer Zahl gehalten. Zuchterfolge stellen seither eine Seltenheit dar und gelten auch heute noch als eine große tiergärtnerische Herausforderung. Die ersten Zuchterfolge in Menschenobhut wurden im Parc Tsimbazaza in Antananarivo auf Madagaskar im Jahre 1967 vermerkt. Der erste Zuchterfolg außerhalb Madagaskars gelang im Jahre 1974 im Zoo Montpellier in Frankreich. Die bedeutensten Zuchterfolge sind dem Zoo Duisburg zuzuschreiben, dem seit dem Jahre 1980 als einziger Zoo der Welt regelmäßig Nachzuchten gelangen. Nahezu alle der derzeit in den Zoos der Welt gehaltenen 60 Fossas entstammen der Zucht des Zoo Duisburg.
Im Jahre 1994 wurde dem Zoo Duisburg die Koordination des Europäischen Erhaltungszuchtprogrammes (EEP) für die Fossa übertragen. Dieses EEP wurde unter zwei Gesichtspunkten initiiert. Zum einen ist es das Ziel dieses Zuchtprogrammes, eine genetisch intakte Population der Fossas in Menschenobhut aufzubauen und zu bewahren. Dieses beinhaltet die genetisch sinnvolle Zusammensetzung potentieller Zuchtpaare, die Verteilung von Nachzuchttieren, die Festsetzung einer Zielpopulation, und die langfristige Planung der Zoo-Population, um Inzucht zu vermeiden, und um eine hohe genetische Variabilität zu gewährleisten. Das zweite Ziel des Fossa-EEPs ist es, Naturschutzmaßnahmen auf Madagaskar zu fördern. Zu diesem Zweck wurde vom Zoo Duisburg ein Fossa-Fonds eingerichtet, um Gelder für in situ Naturschutzprojekte auf Madagaskar zu sammeln.
Im Rahmen des Zuchtprogrammes der Fossa konnten neue potentielle Zuchtpaare in verschiedenen Zoos Europas zusammengestellt werden, die zum Teil für Nachwuchs sorgten und somit die Zoopopulation der Fossas haben beträchtlich ansteigen lassen. Nachwuchstiere konnten an verschiedene Zoologische Gärten auch außerhalb Europas abgegeben werden, mit neuen Haltern u.a. in den USA und in Kanada. Das ehemals lediglich auf Europa beschränkte Erhaltungszuchtprogramm der Fossa wurde von der Species Survival Commission der World Conservation Union (IUCN) in ein offizielles Internationales Zuchtbuch umgewandelt, um somit die weltweite Zoopopulation der Fossa sinnvoll verwalten zu können. Auch dieses Internationale Zuchtbuch wird vom Zoo Duisburg koordiniert.
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