Verwandtschaft: ,
Lateinischer Name: Vicugna vicugna
Verbreitung: Anden im westlichen Südamerika
Lebensraum: Wüsten und Halbwüsten mit spärlicher Buschvegetation
Lebensweise: Familiengruppen mit einem Leithengst und bis zu 15 Stuten
Nahrung: Gräser, Kräuter
Grösse: 150 bis 190 cm
Gewicht: bis 65 kg
Paarungszeit: Herbst
Trag-Brutzeit: 11 Monate
Wurf-Gelege: 1 Jungtier
Geschlechtsreife: mit 2 Jahren
Lebenserwartung: bis zu 24 Jahre

Das Vikunja oder Vicuña, dessen Name aus der indigenen Sprache Quechua der Andenregion stammt, ist die kleinere der beiden Neuweltkamelarten. Während sein größerer Verwandter das Guanako auch in der Pampas lebt, ist die Verbreitung des Vikunjas auf das Andenhochland in Höhen zwischen 3500 und 5500 m in Ekuador, Peru, Bolivien, Chile und Argentinien beschränkt. Die Art lebt in Familiengruppen, die von einem Leithengst geführt und gegen andere Männchen verteidigt werden. Junge Männchen schließen sich zu Junggesellengruppen zusammen, bis sie alt genug sind, um eine Herde zu führen. Alte Männchen, die von ihrem Harem vertrieben wurden, leben einzelgängerisch.

Ein Unterschied zum Guanako und eine Besonderheit innerhalb der Paarhufer sind die unteren Schneidezähne, die wie bei Nagetieren beständig nachwachsen. Das Fell ist sehr fein und dicht, um in der Kälte in der großen Höhe gut zu isolieren. Es ist überwiegend hellbraun gefärbt, nur am Bauch ist es weiß. Am Halsansatz und der Brust ist das Fell ebenfalls weiß und verlängert.

Während das Guanako die Stammform des domestizierten Lamas ist und gleiches lange auch für das Alpaka angenommen wurde, fand man anhand molekularer Untersuchungen heraus, dass dieses vom Vikunja abstammt. Die Wolle der Vikunjas gilt neben der der Tibetantilope als die feinste und wertvollste weltweit. Bereits die Inka wussten sie zu nutzen, wobei damals bereits eine nachhaltige Nutzung betrieben wurde, indem die Tiere zum Scheren in Gatter getrieben und anschließend wieder freigelassen wurden. Mit der Eroberung der Anden durch die Spanier setzte eine unkontrollierte Jagd ein, die bis in die 1960er Jahre anhielt und zu einem drastischen Bestandseinbruch führte.

Durch Schutzmaßnahmen konnte sich der Bestand wieder erholen, so dass die Art heute von der Weltnaturschutzunion IUCN wieder als nicht gefährdet („Least Concern“) eingestuft wird. Vor dem Hintergrund der vormals starken Gefährdung wurde ein großer Bestand in zoologischen Gärten aufgebaut, für den weiterehin ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP) existiert.