Verwandschaft: ,
Lateinischer Name: Bison bonasus
Verbreitung: Osteuropa
Lebensraum:
Lebensweise: Herdentier
Nahrung: Gräser, Kräuter, Blätter, Knospen, junge Triebe
Grösse: 180 bis 195 cm
Gewicht: Männchen bis 900 kg, Weibchen bis 550 kg, Neugeborene 25 bis 30 kg
Paarungszeit: im Herbst
Trag-Brutzeit: 260 bis 270 Tage
Wurf-Gelege: 1 Jungtier, selten 2
Geschlechtsreife: mit 2 Jahren
Lebenserwartung: bis 30 Jahre

Der Wisent ist der nächste Verwandte des nordamerikanischen Bisons. Beide Arten gehen auf eine gemeinsame Ursprungsform zurück, von der sich der Wisent in Europa als Waldbewohner entwickelte, während der Bison die amerikanischen Steppen bevölkerte.

Mit seiner massigen Gestalt und einem Körpergewicht bis 900 kg ist der Wisent das größte Landsäugetier Europas. Die kräftige Schulterregion und der erhöhte Widerrist sind durch verlängerte Dornfortsätze der Brustwirbel auffällig verstärkt. Lediglich das Hinterteil des Körpers wirkt schwach entwickelt. Der breite, schwere Kopf ist tief angesetzt und wird meist gesenkt getragen. Die runden, seitlich und nach oben wachsenden Hörner mit einwärts gebogenen Spitzen sind verhältnismäßig klein. Das dichte, dunkelbraune Fell ist am Vorderkörper wesentlich länger und stark gekräuselt ausgebildet.

Im Vergleich zum Bison ist der Wisent schmal und hochbeinig, eine Anpassung an das Leben im Wald. Zudem ist die Rückenlinie des Wisents weniger steil abfallend als beim Bison und es fehlt der für die Bisons typische mächtige Fellbehang an den Beinen.

Wisente leben in Herden bestehend aus Kühen und deren Jungtieren. Eine Leitkuh führt die Herde, die bis zu 20 Tiere umfassen kann. Erwachsene Männchen schließen sich zu kleinen Bullenverbänden zusammen oder leben als Einzelgänger und stoßen lediglich zur Paarungszeit zu den Weibchen.

Ehemals in weiten Teilen Osteuropas und Asiens beheimatet, wurde der Wisent infolge der menschlichen Besiedlung und der damit verbundenen Rodung der Wälder, und letztendlich durch Wilderei und die Wirren des 1. Weltkrieges, zu Beginn des Jahrhunderts in seinem gesamten Verbreitungsgebiet ausgerottet. Lediglich 56 Wisente verblieben in einigen Zoologischen Gärten Europas. Durch gezielte Zuchtbemühungen konnte die Zoopopulation kontinuierlich vergrößert werden, so daß im Jahre 1952 die ersten zoogezüchteten Wisente in dem neu geschaffenen Nationalpark Bialowieza in Polen ausgewildert werden konnten. Weitere Auswilderungsprojekte folgten in den nächsten Jahren, so daß heute wieder gesunde, gut züchtende Wisentherden im Freiland anzutreffen sind.

Die Rettung des Wisents gilt als ein hervorragendes Beispiel der Arterhaltung durch Zucht in menschlicher Obhut. Heute liegt der Weltbestand bei etwa 3000 Tiere, von denen etwa die Hälfte im Freiland angesiedelt ist.