Wildtiere vor unserer Haustür – ein kleiner Dachs wird gerettet

dachs2017-0410-KopieAm 12.5.2017 klingelt das Telefon im Zoo Duisburg. Ein Wildtier wurde gefunden. Das ist nicht unüblich. Immer wieder werden Fledermäuse, Singvogelküken, Eichhörnchen etc. von besorgten Tierfreunden im Zoo vorbeigebracht. Hier allerdings hat Frau Manuela Dörnenburg aus Mülheim auf dem Friedhof einen hilflosen Dachs gefunden. Völlig entkräftet und apathisch lag die kleine Fähe zusammengerollt da und konnte sich nicht mehr bewegen. Das Tier wurde vermutlich von einem Auto erfasst und konnte sich nach dem erlittenen Trauma nicht mehr versorgen.
In der Regel sollte man natürlich Wildtiere weder anfassen noch einsammeln. Wenn allerdings offensichtlich ist, dass das Tier absolut hilflos ist und ein Leiden des Tieres absehbar ist, sollte man sich professionelle Hilfeholen. Frau Dörnenburg brachte das Tier zu uns.
Im Zoo angekommen kümmerten sich die Zootierärztinnen um das Tier. Eine Blutentnahme zeigte keine großen Auffälligkeiten und im Röntgen unter Narkose wurden weitere Organverletzungen erst einmal ausgeschlossen. Ein paar Mitreisende, Flöhe und Zecken, hatte Dachs NELE im Gepäck. Die konnten schnell entfernt werden, noch eine Infusion gegeben und mit Antibiotikum und Schmerzmittel abgedeckt.
Zum Wochenende zeigte NELE dann einen guten Appetit aber leider auch Kreisbewegungen und es schien, als sei sie blind. Sie konnte weder Bewegungen erkennen und bei Geräuschen reagierte sie in alle Richtungen, konnte nicht gezielt ausmachen woher das Geräusch kam. Sie stolperte über den Futternapf, lief gegen die Wand und bereitete dem Zooteam große Sorgen.
Ein blinder Dachs kann natürlich nicht mehr ausgewildert werden und ein Wildtier, welches nicht mehr wildbahnfähig gemacht werden kann, muss in den meisten Fällen euthanasiert werden. Nun stand also am Montag, den 15.5.2017 ein Besuch bei der Augenspezialistin Dr. Saers in der Tierklinik am Kaiserberg an. Das Resultat: Die Augen sind in Ordnung. Es blieb also der Verdacht einer Infektionskrankheit, eines Schädelhirntraumas oder einer stärkeren Schädigung des Gehirnes. Staupe und Toxoplasmose wurden mit Hilfe eines Bluttestes ausgeschlossen. Bevor man nun eine weitere Diagnostik beginnen wurde, sollte also erst mal probiert werden, ein Schädelhirntrauma in den Griff zu bekommen. Mittels Cortison ins tägliche Futter gelang dies in wenigen Tagen. Der Zustand der kleinen Dachsfähe normalisierte sich innerhalb von 3 Tagen, so daß das Cortison sofort wieder reduziert werden konnte.
Am Montag, den 22.5.2017 konnte NELE, ein halbes Kilo schwerer, völlig gesund den Zoo wieder verlassen. Sie wurde in eine Wildtierstation im Siebengebirge gebracht. Auf dem Retscheider Hof in Bad Honnef Aegidienberg werden seit 2009 verwaiste oder in Not geratene Wildtiere aufgezogen und aufgepäppelt und im Anschluß erfolgreich wieder ausgewildert. Für Dachs NELE ein Glücksfall, gibt es dort doch eine Fähe und einen Rüden im gleichen Alter. Nun können die drei Tierkinder gemeinsam auf eine Auswilderung vorbereitet werden.
Der ZOO Duisburg bedankt sich rechtherzlich bei der Tierschützerin, die dem Zoo das Tier anvertraut hat, bei der Tierklinik am Kaiserberg, deren Team dem Zoo immer mit Rat und Tat zur Seite steht, und natürlich beim Retscheider Hof e.V. die sich sofort bereit erklärt haben, die kleine NELE zu übernehmen und wieder auszuwildern. Wildtiere vor unserer Haustüre bedürfen bisweilen unserer Hilfe. Bitte unterstützen Sie die wertvolle Arbeit des Verein „Retscheider Hof e.V.“ z.B. mit einer Fördermitgliedschaft. Mehr Informationen finden Sie unter www.retscheider-hof.de